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Milben / Anhang B-5
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E. Scholl (1995)
verharren und beim Einbringen neuer feuchterer Vorräte oder beim Verladen des Mehls in feuchtere Räume sich zur
Tritonymphe häuten und eine neue Generation erzeugen. Durch Haften an Säcken, Schaufeln u. dgl. können sie auch
die Art verbreiten. Neben der Dauer- treten auch Wandernymphen bei der Mehlmilbe auf, allerdings in viel geringerer
Zahl.
Käsemilbe
, Tyrophagus casei, lebt hauptsächlich auf Käse, den sie von kleinen Ritzen seiner Oberfläche aus mit den
Cheliceren anschneidet. Manchmal greift sie auch Rauchfleisch, Schinken und Wurst an. An dicht besiedelten Stellen
eines Käses zählt man bis 2000 Stück je cm².
Carpoglyphus lactis, lebt an Süßigkeiten, insbesondere Backpflaumen, Ringäpfeln, Feigen, Rosinen und
Fruchtkonserven. Sie nimmt den zuckerhaltigen Saft der Oberfläche auf und reißt mit den Cheliceren Fruchtstückchen
ab. Ihr Fraß unterdrückt wie der von C. mycophagus Schimmelansiedlung. Die Weibchen legen bis zu 72 Eier und
werden durchschnittlich wie auch die Männchen 40-50 Tage alt. Unter 1000 Protonymphen entwickelt sich etwa eine
zu einer heteromorphen, mit langen Beinen versehenen Wandernymphe, die viel und schnell herumläuft (K
AESTNER
1969). C. tritt auch als Wohnungsmilbe auf.
Glycyphagus cadaverum,
0
,4-0,6 mm lang, lebt außer auf Heu noch an anderen Pflanzen und süßen Früchten, Mehl,
Kleie, Getreide usw. Beide Arten fressen hauptsächlich die auf feucht werdenden Stoffen sich entwickelnden
Schimmelpilze und deren Sporen; Dauernymphen treten häufig auf.
7.5. Weitere Sarcoptiformes
Krätzmilbe
, Sarcoptes scabiei, verursacht die Krätze des Menschen ( -> K
AESTNER
1969, S. 780 f.).
Hornmilben
, Supercohors (= Überfamilie) Oribatei. 0,2-1 mm lang, mit kräftigem harten Chitinpanzer, käferartig;
leben in den obersten Schichten vemoderter Pflanzenteile, also im Humus des Waldbodens, in Moospolstern, an und in
Baumstubben, die mit Moos und Flechten bewachsen sind usw.. Sie laufen sehr langsam. Die meisten sind
mikrophytophag (Kleinstpflanzenfresser), nehmen also Algen, Sporen, Pilzhyphen und Pollen auf. Andere verzehren
in Zersetzung begriffene, abgefallene Blätter, Kiefernnadeln und Wurzelteile. Da sie oft in großen Individuenzahlen
auftreten, spielen sie eine sehr wichtige Rolle als Primärzersetzer des Bestandabfalls und damit der Humusbildung.
Einige Spezies fressen Holz, manche Aas.
7.6. Parasitiformes
Diese Milben sind zumeist Raubtiere, teils Schimmelfresser, manchmal auch Parasiten. Sie fressen
ihrer Größe entsprechende Collembolen, Oribatiden-Jugendstände, weichhäutige andere Milben,
Nematoden und auch Fliegenmaden. Zu den Parasitiformes gehören z.B. die
Zecken
, Ixodides,
(siehe dort) und
Vogelmilben
, Dermanyssus, sowie einige Räuber und Schimmelfresser
(Androlaelaps
,
Haemogamasus, Proctolaelaps, Lasioseius
und Ameroseius) (Rack in Weidner 1993,
p.264)
Vogelmilben
Dermanyssus sp.aus Taubenschlägen, Hühnerställen, Vogelkäfigen, Vogelnestern, Rattennestern, werden
hier an einem ausgewählten Beispiel beschrieben: die
Hühnermilbe
Dermanyssus vulgaris, ist relativ groß und kann
schnell laufen. Diese Milben leben in erster Linie von Vogelblut und befallen häufig Hühner und Stubenvögel. Diese
können sie durch ihre Stiche arg belästigen und durch den Blutentzug stark schwächen. Sie halten sich nicht ständig
beim Wirt auf, sondern verstecken sich tagsüber in den Fugen der Sitzstangen und der Stall- bzw. Käfigwandungen, um
Nachts die schlafenden Opfer zu überfallen. Da sie ziemlich lange (über 100 Tage lang) zu hungern vermögen, können
sie sich auch in nicht mehr benutzten Ställen und Käfigen noch lange Zeit halten. Bei längerdauerndem
Nahrungsmangel oder bei Überbevölkerung ihrer Brutstätten wandern sie manchmal in großen Scharen in Wohnräume
ein und befallen dann nicht selten auch Menschen. Ihr Stich erzeugt bei manchen Personen an der betreffenden
Hautstelle eine kleine Papel, die mit einem starken, oft viele Tage anhaltenden Juckreiz verbunden ist.
7.7. Abwehr von Vogelmilben