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Motten / Anhang B-6
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E. Scholl (1995)
Die Motten gehören zu den Schmetterlingen. Die häufigsten Schadmotten an Fasern sind die
Kleidermotte und die Pelzmotte. Beide Arten lieben Wärme. Nässe vertragen sie überhaupt nicht.
Die Kleidermotte ist wärmebedürftig und erträgt mehr Trockenheit, die Pelzmotte braucht mehr
Feuchtigkeit und erträgt Kälte besser. Aus diesem ökologischen Unterschied ergeben sich
unterschiedliche Befallsschwerpunkte / Lebensräume für die beiden Arten.
5. Entwicklungstyp, Mundwerkzeuge
Motten durchlaufen eine vollständige Metamorphose (Ei, Raupe, Puppe, Vollinsekt). Die Stadien
beider Arten haben - abgesehen von den klimatischen Vorlieben - in etwa die selben Lebensräume.
Der Bau der Mundwerkzeuge ändert sich im Lauf des Mottenlebens! Während die Raupen kräftige
Mandibeln (=Kauwerkzeuge) haben, sind die entsprechenden Organe der erwachsenen Tiere nicht
zum Fressen geeignet.
6. Entwicklung, Ernährung, Lebensweise, Klima, Jahresrhytmus
Die Eier sind 1 mm lang, länglich-oval, elfenbeinfarbig. Die Eier können an Materialien/Orten
abgelegt werden, die den ausschlüpfenden Räupchen Nahrung bieten, aber das ist keineswegs die
Regel. Spalten und Vertiefungen jeder Art genügen, um die Weibchen zur Eiablage anzuregen.
Die Raupen beider Arten sind perlweiß und nackt mit dunkler Kopfkapsel. Sie haben außer den
sechs Insektenfüßen die raupentypischen Stummelfüße und Nachschieber. Frisch geschlüpft, sind
sie ca 1 mm lang und durchsichtig. Je nach Ort der Eiablage sind sie vielfach genötigt, zunächst auf
Wanderschaft zu gehen, um an keratinhaltige Stoffe wie Haare, Wolle oder Federn
heranzukommen. Haben sie einen Futterplatz mit geeigneter Nahrung gefunden, so bleiben sie dort
bis zum Abschluß ihrer Entwicklung, sofern sie nicht durch Störungen zum Abwandern gezwungen
werden. Mit Aufnahme der Fraßtätigkeit beginnen sie, aus dem Sekret ihrer zwei großen
Spinndrüsen die seidige Wohnröhre zu spinnen, in der sie fortan leben, die sie mit zunehmendem
Wachstum vergrößern, und in die sie auch Fasern des umgebenden Materials einarbeiten. Die
Wohnröhre ist an beiden Seiten offen und kann bis zu 10 cm lang werden, manchmal auch
mattenartig ausgebreitet sein. Gelegentlich kriechen die Raupen einige Tage lang ungeschützt
umher.
Die Raupen der Pelzmotten schleppen ihre Wohnröhren beim Fressen mit sich herum.
Die Tiere entwickeln sich bei Temperaturen über 15° und unter 30° C. Bei den Weibchen dauert
die Entwicklung etwas länger als bei den Männchen. Auf geeignetem Substrat bei optimaler
Temperatur können die Raupen sich schon nach 30 Tagen und 4-10 Häutungen verpuppen. Auf
ungeeigneten Stoffen können sie unter Umständen jahrelang fressen, ohne zu wachsen und sich
weiter zu entwickeln. Dabei können sie sich dann bis zu 45 mal häuten. Völligen Nahrungsmangel
können auch schon die jungen Raupen, wie festgestellt wurde, 8½ Monate lang ertragen. Ältere
Raupen, die nichts mehr zu fressen finden, können sich trotzdem weiterentwickeln, allerdings nur
zu abnormal kleinen Faltern ("Kümmerformen"). (K
EMPER
1950).
Ernährung der Raupen: Die Larven fressen die keratinhaltige Stoffe besonders an Stellen, die durch
Schweiß und eingetrocknete Reste von Speisen, Getränken, Urin oder Kot verunreinigt sind, denn
zur vollwertigen Ernährung der Mottenlarven gehören gehören außer Keratin, dem Protein (=