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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-7 / Mücken
Theoretisches Wissen ist dabei genauso notwendig wie gute praktische Kenntnisse der
Pestizidanwendungsmethoden. Dadurch, daß diese Kombination in Deutschland kaum zu finden
ist, gibt es hierzulande vermutlich nur sehr wenige wirkliche Spezialisten für die chemische
Stechmückenbekämpfung. Wer gute theoretische Kenntnisse hat, ist nur noch selten bereit, auch
praktische Arbeit zu leisten. Diese Schwachpunkte sollten ausreichen, um die fachmännischen
Anwendung von Pestiziden zur Mückenbekämpfung regelmäßig zu revidieren.
BTI
(= Bacillus thuringiensis, var. israelensis) wirkt am besten gegen frisch geschlüpfte Junglarven
(erstes und zweites Stadium); weniger stark gegen die älteren Larven, jedoch insgesamt nur gegen
Larven. Die Puppen können sich ungehindert weiterentwickeln, da sie nicht fressen.
Hier hat die KABS Großartiges geleistet: Aufklärung der Bevölkerung, Aktivierung der
zuständigen Stellen, selektive Verringerung der Mückenprobleme. Allerdings wird nicht jede ihrer
Großaktionen vom Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene befürwortet: bestimmte
Gemüsesorten werden beim Kontakt mit BTI angeblich giftig; außerdem wird das Ausmaß der
Selektivität angezweifelt.
Wachstumsregler
Juvenilhormon oder Häutungshormon nur für Larven. Die Selektivität ist
begrenzt, da alle Wasserinsekten sich häuten und erwachsen werden wollen.
Liparol,
eine ölige Substanz aus Naturstoffen, eignet sich besser für ältere Larven und Puppen, die
durch das Atemrohr atmen; (das erste und zweite Larvenstadium haben noch überwiegend
Hautatmung und bleiben unberührt). Hier ist die Selektivität ganz klar begrenzt, da zahlreiche
andere Wassertiere und -pflanzen auf die hohe Oberflächenspannung des Wassers angewiesen sind,
die mit Öl vorübergehend herabgesetzt wird. Z.B. Wasserläufer gehen einfach unter und ertrinken
dann natürlich. Außerdem erhebt sich die Frage nach den Abbauprodukten.
Hochwassermücken: Hier ist bei der Bekämpfung das oben beschriebene "Schlüpfen auf Raten" zu
beachten. Selbst nach einer sehr erfolgreichen Stechmückenbekämpfung, bei der rein theoretisch
alle Mücken abgetötet worden sind, existieren im Boden noch genügend Eier für weiteres
Brutvorkommen.
Die Larven der Waldmücken, die ja nicht zur Massenvermehrung neigen, müssen meist nicht
bekämpft werden. Falls es ausnahmsweise doch einmal notwendig werden sollte, wählt man
sinnvollerweise März/April für die Behandlung der Brutgewässer mit BTI.
7.2.3. Vollinsekten
Das Schwergewicht der Mückenabwehr muß bei der Veränderung der Brutplätze und beim
Selbstschutz gesetzt werden. Das sollte sich jeder, der die sirrenden Flieger zum Teufel wünscht,
jedesmal vor Augen führen, bevor er irgendeine Mücke tötet.
Im Haus ist das einfachste und sicherste Mittel,
lückenlose, an den Rändern dichtschließende
Fliegengitter an all den Fenstern und ggf. auch an Türen anzubringen, die zum Lüften geöffnet
werden sollen. (Nicht alle Fenster in jedem Haus müssen geöffnet und vergittert werden können.
Die müssen dann aber auch geschlossen bleiben.) Die schmalste Ritze, das kleinste Loch genügt
den Mücken, ihren Weg ins Haus zu finden.