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E. Scholl (1995) Richtlinien - Integrierte Schädlingsbekämpfung Anhang B-8 / Ratten - 1
Anhang B8 / Wanderratte
1. Erkennungsmerkmale
Nächtliche Geräusche, Kotballen, Fraßstellen in Vorräten, Nagespuren an Eingängen und
Öffnungen von Häusern, Löcher im Boden oder Bodennähe, Laufspuren mit bräunlicher schmierig-
fettiger, seitlicher Markierung entlang ausgetretener Pfade. Ratten sind überwiegend grabende
Erdbewohner, vorzugsweise in Wassernähe, Allesfresser (gerne auch Fleischreste und gewürzte
Speisen);
Wanderratten haben kleine, dichtanliegende Ohren, kleine Augen, stumpfe Schnauze. Die
Unterseite des Schwanzes ist bei Wanderratten heller als die Oberseite,
Hausratten
, die hier nicht weiter berücksichtigt werden können, haben größere Ohren und Augen, spitze Schnauzen;
der Schwanz ist rundherum dunkel gefärbt. Das häufig angeführte Unterscheidungsmerkmal Schwanzlänge (bei
Wanderratten ursprünglich kürzer, bei Hausratten länger als der Körper) ist nicht besonders zuverlässig, da beim
Heranwachsen oft Teile des Schwanzes "verloren"-gehen. Um die Arten auseinanderzuhalten, ist die Beobachtung der
Tiere empfehlenswert: Hausratten sind überwiegend Baumbewohner, eichhörnchenähnlich, eher Pflanzenfresser. Bei
Gefahr flüchten sie eher nach oben, Wanderratten nach unten, in Löcher. In Westdeutschland sind sie weitestgehend
durch die Wanderratte verdrängt; häufig in den Hafenstädten des Mittelmeerraumes.
2. Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde
Wanderratten sind von Natur aus grabende Steppentiere. Ihre ursprüngliche Heimat liegt
vermutlich im gemäßigten Sibirien und China, wo freilebende Populationen vorkommen
(Moorwiesen im kleinen Chingan, 1960). In Europa waren sie wahrscheinlich seit dem Mittelalter.
Mit den Verkehrsmitteln des Menschen sind sie weltweit verschleppt worden, in den Tropen und
Subtropen aber nur sehr lokal verbreitet, fast nur in Großstädten. Auch im Mittelmeerraum ist ihr
Vorkommen lückenhaft. Dort können sie nur in manchen Feuchtgebieten vom Menschen ständig
unabhängig überleben. Auch in Deutschland sind die Wanderratten primär auf den Menschen
angewiesen, obwohl sie ihre Nester oft außerhalb der menschlichen Behausungen in Erdbauten
anlegen. Sekundär leben sie auch im Freien, hier meist an Gewässerufern mit dichter Vegetation
(Z
APLETAL
1964 nach N
IETHAMMER
1978, S.409).
Feinde der Ratten sind außer dem Menschen Hauskatze, Hund, Fuchs, Mauswiesel, Hermelin, Iltis,
Marder, Frettchen. Unter den Vögeln steht wohl der Uhu an erster Stelle (B
EZZEL
et al, N412:)
900 Wanderratten unter 9000 Beutetieren); außerdem Schleiereule und Waldkauz, sowie Mungos
und Schlangen.
3. Verhältnis zum Menschen
Ratten, die sich in ihrem natürlichen Lebensraum wohl schnell vermehren, wenn beim Reifwerden
der Grassamen hochwertige Nahrung zur Verfügung steht, besorgen im menschlichen Lebensraum
die Resteverwertung und Abfallbeseitigung, sobald der Mensch sich nicht selbst darum kümmert -